MARLOS NOBRE

Marlos Nobre ist zweifellos die repräsentativste Gestalt seiner Generation in der brasilianischen Musikszene. Ab den sechziger Jahren lieB er aufhorchen um beeinfluBte durch die Qualität seines Schaffens und dessen Ausstrahlhung ins Ausland as musikalische Geschehen in seinem Lande.
Schon nach seinen beiden ersten Erfolgen mit dem "Concertino" für Klavier und Streichorchester und dem Klavierstück "Nazarethiana" erweckte Marlos Nobre die Aufmerksamkeit der Musikwelt. Der erste Werk wurde für eine Kompositionswettbewerb geschrieben und 1959 in Rio uraufgeführt. Sas zweite erklang erstmalig 1960 in Recife, seiner Gbeburtsstadt.
Eien erster Höhepunkt war 1964 "Ukrinmakrinkrin"für Sopran, Piccoloflöte, Oboe, Horn und Klavier, geschrieben in Buenos Aires, wo er bei Alberto Ginastera studierte. Diese Partitur öffnete Marlos Nobre die Tür zur internationalen Bühne. Als 1966 dasselbe Werk im Internationalen Rostrum der UNESCO in Paris vorgestellt wurde, war der Durchbruch geschafft. Ab diesem Zeitpunkt hatte der Komponist häufig Gelegenheit zu Auslandsreisen, sei es als Interpret seiner Werke oder zur Teilnahme na Aufführungen der selben.

Als wichtgste Etappen jenes "gradus ad parnassum" folgten Werke,die das Interesse der Fachwelt und due Bewunderung des Puklikums erregten.

Sie machten Marlos Nobre endgültig berühmt und brachten ihm seinen künstlerischen Stellenwert innerhalb und auBerhalb seines Landes ein.

Dank dieser Entwicklung entsandte das Nationale Komitee Brasiliens Marlos Nobre als Vertreter seines Landes in den Internationalen Musikrat der UNESCO. 1977 wurde Marlos Nobre in das Exekutiv-Komitee, das höchste Organ der Leitung des Internationalen Musikrates, gewählt.Gleichzeitig wurde er - der bis dato Programm-direktor von Radio MEC (Ministério da Educação e Cultura) in Rio war - zum Ersten Direktor und Organisator des "Instituto Nacional de Música", einer Organisation der FUNARTE (Fundação Nacional de Arte) ernannt. Dort wirkte Marlos Nobre drei Jahre lang und schuf eine Vielzahl von Programmen, weilche den brasilianischen Künstlern neuen Mut und dem kulturellen Leben neuen Auftreib gaben. Auch die Volkskultur wurde begünstigt und tatkräftig unterstüzt. Hervorgehoben sei in diesem Zusammenhang die enorme Aktivität, die Marlos Nobre and den Yag legte, die Originalität und die klare Erkenntnis, mit der er allen Hemmnissen im brasilianischen Musikleben entgegensteuerte durch Schaffung von Projekten, denen jeweils ein Nah - und Fernziel zugeorgnet wurden.

So solte z. B. das Projekt "Espiral" das Interesse der Jugend am Studium eines Streichinstrumentes wecken, dessen Pflege bisland in Brasilien einiges zu wünschen übrig lieB. Mit dem Gelingen des Projektes würde zwangsläufig der Streichermangel bei den Sinfonieorchestern behoben.

Marlos Nobre ist ein schöpferischer Mensch voller Aktivität, Improvisationskunst und Organisationsfähigkeit. Zuweilen ergreift er auch die Feder und schreibt Essays oder flammende Aufrufe, um seine Ideen durchzusetzen oder auch zu verteidigen, oder für die Verbreitung musikalischer Allgemeinkenntnisse zu sorgen.

So ist auch seinem kompositorischen Gesamtwerk jene unverwechwelbare Originalität eingen, die "besteht", und "nicht bestehen will". Eine fundierte Ausgewogenheit liegt seinem Schaffen zugrunde. Jeglischer Sensation abgeneigt, die um der Sensation willen schockieren oder provozieren will, areiter er auf der soliden Basis der meisterhaften Beherrschung des musikalischen Stoffes. Dies sei besonders erwähnt, da heutzutage dem Komponisten unzählige Mittel zur Verfügung stehen spontane Reaktionen auszulösen, Soche Mittel sind Marlos Nobre fremd.

Ruhiges Vertrauen in sich selbst und in die Richtigkeit seines Werkes sind unverkennbar. So mag er mit berechtigten Stoltz die Reihe seiner Werke betrachten. Sie stehen genau so, wie er sie gewollt hatte. Zwar waren Entwicklungen und Epochen zu beobachten, und sicherlich wird es noch weitere geben. Jedoch wird Marlos Nobre stets "seinen eigenen Weg" beschreiten, ruhig und ohne Eile. Diese Komponist wird sich auch nicht in Ausschweifungen ergehen, wird weder Sirenen noch Dämonen erliegen.

Prof. Dr. Luiz Heitor Corrêa de Azevedo

Azevedo ist Mitglied:
Brasilianischen Akademie für Musik
Exekutivkomittes des Conseil international de la musique der UNESCO (1969-1973)
Internationalen Folk-Musik -Rates (1869-1976)
Korrespondierendes Mitglied der Amerikanischen Gesellschaft für Musikologie

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